Die Geschichte des Bartitsu

Die Geschichte des Bartitsu ist eigentlich eine kurze. Aber durch das neu erwachte Interesse in der letzten Zeit, erfährt das Bartitsu eine Wiederauferstehung. Und wir alle haben nun die Möglichkeit die Geschichte mit weiter zu gestalten.

Der Erfinder – Edward William Barton-Wright

Geboren in Indien, ausgebildet in Frankreich und Deutschland war Edward William Barton-Wright schon immer international geprägt. Als Eisenbahn-Ingenieur und Landvermesser arbeitete er in Ägypten, Portugal, Malaysia und Singapur. Während seiner Anstellung als Spezialist für die Verhüttung von Antimon in Japan erlernte er Jiu Jitsu, sowohl das Shinden Fudo Ryo in Kobe als auch das Kodokan Judo in Tokyo. Als er nach England zurückkehrte, beendete er seine Karriere als Ingenieur und eröffnete eine Kampfschule. In dieser unterrichtete er zum einen Jiu Jitsu, zum anderen konzentrierte er sich ganz auf die Entwicklung des Kampfsystems Bartitsu – einer Verschmelzung westlicher Kampfarten mit dem ihn stark beeinflussenden Jiu Jitsu.

Die Geburt des Bartitsu

Als Barton-Wright 1898 nach England zurückkehrte, schrieb er für das Londoner „Pearson’s Magazine“ einen Artikel namens „A New Art of Self Defense“ (dt. „Eine neue Art der Selbstverteidigung“), der 1899 sowohl in England als auch in Amerika veröffentlicht wurde. Darin beschrieb er zum ersten Mal sein Selbstverteidigungssystem, das er Bartitsu nannte. Auch wenn Bartitsu hauptsächlich auf Jiu Jitsu basierte, beschrieb Barton-Wright in seinem Artikel genau, wie auch Elemente des Boxens, Savates und des Stockkampfs „La Canne” mit einflossen. Die Ideenvielfalt des Bartitsu, die er an Hand vieler Beispiele in seinem Artikel auch genau beschrieb, war das wirklich Verblüffende an diesem neuen Kampfsystem. Von 1899 bis 1902 veröffentlichte er eine ganze Serie an Artikeln, die detailliert beschrieben, worin die Neuerungen und auch Vorteile des Bartitsu gegenüber anderen Kampf(sport)arten lagen. Auszüge dieser Artikel wurden in vielen britischen, amerikanischen, neuseeländischen und australischen Zeitungen abgedruckt. Dadurch wurde Bartitsu innerhalb kürzester Zeit im englischsprachigen Raum sehr bekannt.

Bartitsu School of Arms and Physical Culture – Barton-Wrights eigener Club

Bereits 1900 eröffnete Barton-Wright in Soho, London seine Bartitsu-Schule. Neben dem Bartitsu bot die Schule eine Reihe an Kursen für verschiedene Selbstverteidigungsdisziplinen und Kampfsportarten sowie therapeutische Angebote wie Behandlungen mit Wärme, Licht oder Vibration, an. Soldaten, Athleten, Schauspieler, Politiker und Aristokraten beider Geschlechter gehörten zu den Mitgliedern des Clubs. Als Lehrer gewann Barton-Wright nur die Besten ihres Fachs: Der schweizer Waffenmeister Pierre Vigny unterrichtete La Canne Stockkampf, Armand Cherpillod unterrichtete im Ringen und Boxen, die japanischen Trainer Kaneo Tani, Seizo Yamamoto, Yukio Tani und Sadakazu Uyeneshi trainierten die Mitglieder im Jiu Jitsu. Neben dem Unterrichten gehörten aber auch Kämpfe gegen andere europäische Meister und öffentliche Vorführungen des neuen Kampfsystems Bartitsu zu den Aufgaben dieser Meister.

Als das Bartitsu in Vergessenheit geriet

Obwohl sich Bartitsu sehr schnell sehr großer Beliebtheit im englischsprachigen Raum erfreute, ebbte das Interesse daran ebenso schnell ab. Bereits 1903 musste Barton-Wrights Bartitsu Club wieder schließen. Die meisten der Trainer eröffneten eigene Kampfsportschulen, in denen sie ihr eigenes Fachgebiet unterrichteten. Barton-Wright unterrichtete Bartitsu noch bis in die 1920 und entwickelte es laufend fort. Als aber auch das letzte Interesse daran versickerte, betätigte er sich nun nur noch als Physiotherapeut.

Wie das Bartitsu mit Sherlock Holmes wieder auferstand

Hätte Sir Arthur Conan Doyle sich nicht des Baritsu (ein Schreibfehler, der für Verwirrung sorgen sollte) in seinem Sherlock Holmes – Roman „Das leere Haus” bedient, so wäre das Bartitsu sicher für immer in Vergessenheit geblieben. Das „Baritsu” benutzte Sir Arthur Conan Doyle, um das Überleben Sherlock Holmes im Kampf gegen Professor Moriarty an den Reichenbachfällen zu erklären. Nachdem nun das Bartitsu völlig in Vergessenheit geraten war, fragten sich viele Sherlock Holmes-Fans, was es in aller Welt bloß mit Baritsu auf sich hätte.

Erst in den 1990ern gelang es einigen cleveren Köpfen, den Zusammenhang zwischen der inzwischen vergessenen Mixed Martial Art Bartitsu und dem Roman herzustellen. Ab diesem Zeitpunkt begann die Recherche nach Material zu Bartitsu und die Rekonstruktion nahm Formen an. Bis heute besteht auf der Plattform „Bartitsu Society” ein reger Austausch darüber, wie das kanonische Bartitsu, also das Bartitsu wie Barton-Wright es erfand, gewesen sei und wie das Neo-Bartitsu heute praktiziert werden kann.

Diese ganz besondere Geschichte des Bartitsu ermöglicht diesem Kampf- und Selbstverteidigungssystem etwas, was den meisten anderen Kampfsportarten nicht ohne Weiteres möglich ist: eine Weiterentwicklung, Revision und Anpassung an die heutigen Zeiten. Und genau das macht auch seinen Reiz aus!

Aktuelles

Jahresrückblick 2018

Mit den Trainingseinheiten am 14. Dezember endete unser Training für dieses Jahr und somit auch unser erstes Vereinsjahr. Verglichen zum letzten Jahr - dem Jahr unserer Eröffnung - konnten wir durch einen entsprechenden Mitgliederanstieg unser [...]

Neue Auszeichnung fürs Bujutsu Hannover

Am 01. Dezember veranstaltete das Budokai Waldkraiburg einen Karate Lehrgang unter Leitung von Schahrzad Mansouri und Sigi Hartl. In dem Zuge reiste auch eine kleine Gruppe unseres Vereins nach Waldkraiburg. In den insgesamt drei Trainingseinheiten [...]

  • Bujutsu Karate Hannover Friendship Cup

1. Bujutsu Friendship Cup in Lehrte

Am 24. November folgten 129 Kinder und Jugendliche aus 11 Vereinen der Einladung zum 1. Bujutsu Friendship Cup in Lehrte. Während die meisten teilnehmenden Vereine aus der Region Hannover kamen, hatten unsere Gäste vom SGI [...]