Bartitsu – Effektive Selbstverteidigung nach Barton-Wright

Bartitsu ist ein rein defensives Kampfsystem, das darauf abzielt, sich effektiv auch ohne Waffen oder nur mit Alltagsgegenständen wie zum Beispiel dem eigenen Mantel, selbst zu verteidigen und dabei den Gegner kampfunfähig zu machen. Als ein inzwischen sicherlich nicht mehr allzu alltäglicher Gegenstand ist der spezielle Spazierstock mit dem charakteristischen runden Knauf zum Markenzeichen des Bartitsu geworden. Für den im Bartitsu angewandten Stockkampf ist er unerlässlich, im Alltag kann er aber praktischerweise durchaus durch einen Regenschirm ersetzt werden. Die Realisierbarkeit im Ernstfall ist im Bartistu das bestimmende Element, wodurch Bartistu wie kaum eine zweite Kampfsportart zur Selbstverteidigung geeignet ist.

Bartitsu wie Barton-Wright es sich erdacht hat

Edward Williams Barton-Wright hat nach seinem langjährigen Aufenthalt in Japan geschafft, was vor ihm niemand zu probieren wagte: Er kombinierte verschiedene Kampfkunstarten unterschiedlicher Länder und Kulturen zu einem Mix mit Durchschlagskraft und Effektivität. Um Bartitsu im Ernstfall improvisiert, aber erfolgreich anwenden zu können, ist es wichtig, die einzelnen Disziplinen und ihre Möglichkeiten intensiv zu erlernen und zu durchdringen. Erst dann können sie optimal zu einer alltagstauglichen Selbstverteidigungsart miteinander verschmelzen.

Barton-Wright hat 1899 drei elementare Prinzipien für das Bartitsu postuliert:

Bringe deinen Angreifer aus dem Gleichgewicht (dabei ist sowohl das körperliche als auch das innere Gleichgewicht gemeint).

Überrasche ihn, bevor er Zeit hat, seine Balance wieder zu finden und seine (unter Umständen überlegene) Kraft einzusetzen.

(Über-)Dehne, falls nötig, die Gelenke, egal ob Nacken, Schulter, Ellbogen, Handgelenk, Rücken, Knie oder Fußgelenk deines Gegners so, dass er anatomisch und mechanisch nicht mehr kampffähig ist.

Diese drei Elemente spiegeln sich in allen Kombinationen des Bartitsu wider und sind der Grund, warum sich Bartitsu auch besonders für Frauen eignet.

Die Distanzen des Bartitsu

Ein Straßenkampf oder eine Attacke im realen Leben läuft in der Regel nicht so, wie man es in der Übungshalle vielleicht trainiert hat. Das Bartitsu ist, im Gegensatz zu vielen anderen Kampfsportarten, aber genau darauf ausgelegt, sich unter den aktuellen Bedingungen anzupassen. Neben den drei Grundelementen hat sich Barton-Wright deshalb auch mit den in realen Bedingungen vorkommenden Kampfdistanzen auseinandergesetzt und vier Techniken den jeweiligen Distanzen zugewiesen.

  • Langdistanz La Canne Vigny Stock
  • Mitteldistanz Savate Fuß
  • Kurzdistanz Boxen Faust
  • Direktkontakt Jiu-Jitsu und Judo Wurf- und Hebeltechniken, Druckpunkt-Techniken

Bei der Entwicklung des Bartitsu war es Barton-Wright wohl bewusst, dass die Kampfdistanz ein entscheidendes Kriterium für Sieg oder Niederlage ist. Die Distanzen und damit verbundenen Kampftechniken werden der Situation angepasst kombiniert, um den Angreifer in kürzester Zeit kampfunfähig zu machen und die Gefahr abzuwenden.

Die Kampfsportarten des Bartitsu

Englisches Boxen

Anders als beim Boxen, das wir heute kennen, wurde im 19. und frühen 20. Jahrhundert eher aufrecht und steif geboxt. Dabei war die Führungshand, also die Hand, mit der man den Gegner auf Distanz hält, meist lang ausgestreckt. Der Unterarm der kräftigeren Schlaghand wurde dabei meist vor der Brust gehalten. Aus dieser Grundposition wurden dann verschiedene Schläge ausgeführt, die mit viel Kraft auf den Gegner abzielen.

Jiu Jitsu und Judo

Wie der Name Bartitsu schon erahnen lässt, hat Jiu Jitsu aber auch Judo einen großen Einfluss auf Barton-Wright gehabt. Während seiner Zeit in Japan erlernte er diese beiden japanischen Kampfkünste und war von ihrer Effektivität im Nahkampf beeindruckt. Eben deshalb hat er beide Systeme, die insbesondere durch ihre Schlag-, Stoß-, Tritt- Wurf- und Hebeltechniken bestechen, in seine Defensiv-Kampfkunst integriert. Dabei hat er sowohl Wurf- und Hebeltechniken mit ins Bartitsu übernommen als auch Würge- und Druckpunkttechniken. Jiu Jitsu und Judo waren die optimalen Kampfkünste, um auch die Distanz des Nahkampfes (mit Körperkontakt) abzudecken und so die Lücke zu schließen. Die Tatsache, dass Jiu Jitsu ebenso wie Judo nicht darauf ausgelegt ist, der Stärkere zu sein, sondern die Kraft des Angreifers gegen ihn zu verwenden macht es auch körperlich unterlegenen Personen möglich, die Situation zu kontrollieren, sich effektiv selbst zu verteidigen und als Sieger herauszugehen.

La Canne Vigny

Pierre Vigny, ein Spezialist im Stockkampf und Instructor in Barton-Wrights Bartitsu Club, entwickelte ein eigenes Stockkampfsystem, das für den Straßenkampf ausgelegt war. Von Spazierstöcken über Stöcke bis hin zu Schirmen wurden allerlei Arten an Stöcken in das Training miteinbezogen. Aber dennoch optimierte Vigny sein Stockkampfsystem auf einen eigens dafür gestalteten Spazierstock: Aus Malacca-Holz gefertigt und mit einem runden Silberknauf versehen ist er bis heute das Markenzeichen des Bartitsu.

Das von Vigny entwickelte System unterschied sich von bestehenden Stockkampftechniken dadurch, dass er die beim Stockkampf ungeschützte Stockhand durch verschiedene Positionen beschützte und so eine schnelle Entwaffnung erschwerte. Eine große Bandbreite an Schlägen, Stößen, Entwaffnungstechniken, Würfen und auch die Handhabung des Stockes als Bajonett in zweihändig geführten Attacken rundete sein System, das auf Erstschläge und den Kontrollgewinn ausgelegt war, ab.

Savate

Die Kampfart Savate entstand im Marseille des 19. Jahrhunderts und kam zumeist in Straßenkämpfen zum Gebrauch. Die damaligen Matrosen suchten nach einer Möglichkeit, zu kämpfen, ohne dabei die Gesetze, die Boxen und das Schlagen mit der Faust verbaten, zu verletzen. So entstand eine Kampfart, die sich auf Fußtritte aller Art, Ringen und das Schlagen mit der offenen Hand fokussierte. Erst im Laufe der Jahre wurde aus der Kampfart eine Kampfsportart mit Reglement und Wettkämpfen.

Im Rahmen des Bartitsu kommt aber weniger die Kampfsportart Savate, als mehr die rohe Kampfart Savate zum Zuge. Da es im Bartitsu immer um die effektive Abwehr geht, werden hier nur die Tritte und Schläge in das System integriert, die auch in Realbedingungen (also mit Straßenschuhen in voller Bekleidung und unter Stress) sauber ausführbar sind. Die High Kicks des Savate werden eher nicht zum Zuge kommen, wohl aber die in den Wettkämpfen wegen ihrer Effektivität und Durchschlagskraft verbotenen Shin Kicks.

Wenn ihr neugierig geworden seid, kommt doch einfach zu einem Probetraining vorbei – wir zeigen euch, wie vielfältig Bartitsu sein kann!

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